Stephanie Nau

Das gefährliche Mittelmaß

Ein Interview über die Qualität der Lehre an der ZU mit Karsten Rosemeier und Stephanie Nau

Keine Frage, ZU-Studenten absolvieren mindestens ein genauso hartes Pensum in ihrem Studium wie Studenten an Staatsuniversitäten. Aber kann das Niveau der Lehre mithalten und wo genau liegen die Probleme im Bereich der Lehre an der ZU? Der Oszillograf sprach mit Karsten Rosemeier, Vizepräsident Qualität und Akkreditierung der Lehre, und mit Stephanie Nau, Koordinatorin des Studiengangs CME (Corporate Management & Economics).

Wie beurteilen Sie das akademische Niveau an der ZU?


Rosemeier:
Nach allen Rückmeldungen, die wir von Externen erhalten, ist das akademische Niveau der ZU mit anderen guten Universitäten sehr wohl vergleichbar. Unsere weiteren Vorteile sind zudem noch die Multidisziplinarität und die vielen speziellen ZU-Formate.

Welche Maßnahmen werden dennoch geplant, um das akademische Niveau zu verbessern?

Rosemeier: Wir machen hier jeden Tag Qualitätssicherung der Lehre unabhängig von Development Day und Teaching Day. Es gibt dafür eine Reihe von Maßnahmen. Eine wichtige davon ist die Evaluation der Seminare. Ein Dauerthema ist auch die Weiterbildung des Lehrkörpers, was von wissenschaftlichen Mitarbeitern eher angenommen wird als von Professoren. Darüber hinaus arbeiten viele Gremien zum Thema Qualitätssicherung. Da ist zum Beispiel die Dozentenkonferenz der jeweiligen Departments, bei denen viele externe Dozenten mit am Tisch sitzen und besprochen wird, wie die Qualität gesteigert werden kann. Außerdem sind die Programmdirektoren auch immer in der Funktion der Qualitätsbeauftragten.

An welchen Kernproblemen arbeiten Sie konkret?

Rosemeier: Ein Thema, das ganz weit oben auf der Agenda steht, ist die hohe Prüfungsquantität und -qualität. Die Prüfungen müssen weiter reduziert werden und zu Modulabschlussprüfungen zusammengefasst werden. Auch muss die Mitwirkung der Studierenden in Seminaren diskutiert werden. Wird eher konsumiert oder diskutiert? Wird „Seminarhopping“ betrieben zwischen Kursen, die genau parallel liegen? Die Qualität der Lehre ist also auch immer die Qualität der Studierenden in den Seminaren selbst. Besprochen werden muss ebenso der Umgang mit den Laptops in Seminaren und die wissenschaftliche Ausdrucks- und Präsentationsfähigkeit. Dies alles haben wir in unserem Haltungspapier „Qualitäten einer forschungsorientierten Lehre“ zusammengefasst, das wir jetzt gemeinsam umsetzen müssen.

Wie sieht Ihr Handlungsspielraum für konkrete Veränderungen aus?

Rosemeier: Unsere Probleme sind weniger konzeptioneller, sondern eher praktischer Art. Die Grundsätze, die verabschiedet wurden, müssen auch umgesetzt werden. Zum Beispiel sollten in der ersten Stunde Seminarregeln aufgestellt werden und die Midterm-Evaluation muss auch von Studenten eingefordert werden. Ein weiteres Thema ist das Prinzip „Vorher lesen“ statt „Vorlesen“, das noch nicht ganz so in der Breite gelebt wird, wie wir uns das vorstellen. Das war für uns auch ein wesentliches Argument für die SWS-Begrenzung, weil wir die Veranstaltungen komprimieren wollten, um konzentriertes Arbeiten zu forcieren. Die Vor- und Nachbereitung muss generell ernster genommen werden. Mindestens zwei Anteile Vor- und Nachbereitung und ein Anteil Präsenz müssen pro Seminar einkalkuliert werden.

Nau: Ein großer Punkt in Sachen Niveau ist auch die Heterogenität der Wissensstände. Im Bachelor sind die Differenzen in diesem Bereich den verschiedenen Abiturvarianten der Bundesländer geschuldet und im nicht-konsekutiven Masterbereich den unterschiedlichsten Bachelor-Abschlüssen. Die Folge davon ist eine Spirale zum Mittelmaß. Das Seminar geht los, der Dozent präsentiert sein akademisches Niveau, das sich mit unserer Definition deckt. Und dann kommt ein Student und beschwert sich über die Anforderungen. Daraufhin korrigiert der Dozent seinen Kurs, weil es den Studenten ja Spaß machen soll. Im Extremfall läuft es so, dass Studenten mit einer schlechten Evaluierung drohen, wenn der Dozent schwere Klausuren stellt. Da gibt es also auch Schräubchen, an denen von einem Teil der Studentenschaft gedreht wird, um das akademische Niveau ganz bewusst nach unten zu korrigieren. Sei es aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor dem Scheitern.

Die ZU wirbt damit, dass ihre Abbrecherquote minimal ist. Nachdem was Sie geschildert haben, stellt sich die Frage, ob ein stärkeres „Aussieben“ von Studenten notwendig wäre, um ein höheres Niveau zu gewährleisten.

Nau: Im CME-Bachelor passiert die prüfungsbedingte Exmatrikulation in letzter Zeit häufiger. Und im Master-Bereich nehme ich immer mehr die Bereitschaft wahr, bei Wissenslücken entsprechend hart zu arbeiten. Auch Tutorien helfen da gerade für die ganz Unbedarften in Methoden und Statistik. Und natürlich sucht sich die ZU ihre Studenten von vornherein sehr bewusst aus. Das macht auch Sinn – Wir haben hier unglaublich gute Studenten, ohne die die ZU nicht die Universität wäre, die sie ist. Aber der Code of Conduct muss wieder in beide Richtungen führen!

Bei einigen Studenten herrscht die Sorge, dass man keinen Masterplatz bekommt. Zu Recht?

Rosemeier: Eine gewisse Abschottung der Masterstudiengänge ist fast Standard bei den deutschen Staatsunis. Deswegen ist unsere Empfehlung: Kümmert euch schon in eurer Major-Phase, um die Ausrichtung und entscheidet, wo ihr hinwollt. Die bisherigen Probleme lagen aber auch an unserem Universitätsstatus, ohne das Promotionsrecht.

Nau: Das Problem ist, dass viele Absolventen reibungslos irgendwo reinkommen – von denen hört man aber nichts. Aber die zwei oder drei Fälle, bei denen es Probleme gibt, von denen weiß jeder.

Das heißt, Sie würden sagen, dass nur eine Minderheit Probleme bei der Mastersuche hat?

Nau: Aus meiner Sicht schon. Und die Gründe dahinter sind meiner Meinung nach nicht ZU-spezifisch. Das sind subjektive Gründe der Hochschulen, denn eigentlich ist es innerdeutsch so, dass man mit einem akkreditierten Bachelor-Abschluss das Recht hat, einen Master zu machen. Wenn eine Uni dann Gründe vorschiebt, um Studenten nicht annehmen zu müssen, ist das rechtlich nicht haltbar. Herr Kübler-Kress konnte unseren Studierenden in der Vergangenheit daher schon mehrmals erfolgreich zur Seite stehen.

Foto: Bertram Rusch
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Autor: Jenny Fadranski

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