Die Vorrichten: Kreativer Kapitalismus

Die Vorrichten: Kreativer Kapitalismus

In Zukunft wird nicht Reis und Bonds an den Börsen gehandelt, sondern die Ware "Mensch"

Es gehört zur guten Tugend eines jeden weltoffenen Menschen, sich der Zukunft zuzuwenden und zu fragen, ob es ein Morgen geben wird und wie es aussehen mag. Auch Oszillograf konnte sich diesem treibenden Ethos nicht verschließen und zeigt daher schon heute auf, was übermorgen nicht jeder wahrhaben mag.

DIESMAL: KREATIVER KAPITALISMUS

Innovationsforscher sind sich einig: Trotz Weltfinanzkrise wird es nicht der einst gescheiterte Sozialismus sein, der aus der Asche des Bailouts ersteht. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos forderte Bill Gates, ein Mann guter Ideen und Taten, Unternehmer auf, zu einer besseren Welt beizutragen. Denn das ist das Zukunftskonzept unserer Forschungseliten: ein kreativer Kapitalismus, ein Kapitalismus, der auch den Armen hilft.

Gates Kollegen in den USA werden also schon in den nächsten Monaten loslegen: Die Investmentbanker und Hypothekenhändler werden jahrelang Kredite vergeben an Leute, die sich diese Kredite gar nicht leisten können. Statt in Dankbarkeit zu verfallen, werden diese Leute ihre Zinsen irgendwann nicht mehr zurückzahlen, sodass sich für die ein oder andere US-Bank Probleme ergeben könnten. Doch kreativ und weitsichtig, wie die amerikanischen Banken sind, werden sie den größten Teil der Arme-Leute-Kredite schon in andere Teile der Welt verkauft haben – ganz unter dem zweiten Aspekt allen Zukunftsstrebens: Nachhaltigkeit. So werden zwar Banken in Saudi-Arabien, China, Großbritannien und Deutschland bettelarm, das wiederum erlaubt dem Steuerzahler ganz kreativ, den armen Banken mit Steuerhilfen beiseite zu stehen … Wobei – das alles hatten wir ja in den letzten Jahren schon.
Ungedeckte Leerverkäufe oder Wetten auf Staatsbankrott – der Kapitalismus gab sich schon immer kreativ. Und auch in Zukunft kann man sicher sein: Unsere Wirtschaftseliten werden immer wieder erstaunlich kreative Überraschungen aus dem Hut zaubern, natürlich nur, um der Welt zu helfen.

So wird ab 2011 neben Rohstoffen und Derivaten “der Mensch” an den größten Weltbörsen gehandelt werden – zumindest als wertbeteiligendes Zertifikat. Denn die Ware Mensch hat den unglaublichen Vorteil, dass sie sich selbst vermehren und den eigenen Wert steigern kann. Die richtige Auswahl durch Investoren und Börsenmakler wird dadurch den Unterschied im Wertertrag der Menschanleihen ausmachen. Prognosen über die Produktivität und Reproduktionsfähigkeit auf Grundlage von Rasse, Religion oder Ethnie wurden bereits vor kurzem von einem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank veröffentlicht.
All das wird ungeahnte Folgen für jeden von uns haben, die unseren Vorstellungshorizont sicherlich weit übersteigen. Natürlich ist dies kein Grund, sich schon jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen. Damit werden wir dann umgehen müssen. Kreativ versteht sich.

Foto: Juliane Guder / jugendfotos.de
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